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mittwoch/der 19./juni
Permakultur Akademie
Permakultur Institut e.V.
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Permakultur in (Streuobst-) Wiesen

Bei wechselhaftem Wetter wurden drinnen wie draussen theoretische wie praktische Themen behandelt, so dass dieser Kurs sich für allgemeine "Einsteiger" wie "Vertiefer" und speziell Themeninteressierte eignete. Die intensive Beteiligung durch mehrere Kursteilnehmer hat dem Kurs eine besondere Qualität verliehen. Ein Bericht von Peter Bär

PK in wiesen

 

Permakultur- Kurs 13-15.4. 2012

Lehrender: Joachim Schlageter

Der Kurs fand auf dem Lindenhof bei Tuttlingen statt. Der Lindenhof ist ein altes Gut einer Glaubensgemeinschaft (Nazarener), das inmitten eines Waldgebietes auf einer herrlichen Lichtung mit großen Streuobstwiesen gelegen ist (ca. 800Höhenmeter). Die Einrichtung, mittlerweile betreut von einer handvoll uns sehr willkommen heißenden Bewohnern, verfügt über zahlreiche schöne Zimmer und großzügige Seminarräume, sowie gemütliche Sitzecken mit Sofas. Die natürliche und ruhige Umgebung, das frische Klima, sowie die gastwirtschaftlich-freundlichen Bedingungen waren für diesen Kurs wie gerufen.

Freitag, der 13., traf ich und eine weitere Teilnehmerin bereits morgens auf dem Lindenhof ein, da wir uns mit Joachim geeinigt hatten, ihm bei der Vorbereitung, sowie bei der Mitgestaltung des Wochenendes für einen Preisnachlass beizustehen. Schnell machten wir uns mit den Gebäuden vertraut, bezogen unseren beheizten Schlafsaal und rüsteten uns aus, um die Obstbaumlebensgemeinschaften (kurz OLGs), ein Hauptanliegen des Kurses, mit Hacke und Spaten vorzubereiten. Bis 16 Uhr waren dann alle 20 Kursteilnehmer eingetroffen und wir konnten noch vor dem Abendessen (einfach und köstlich) eine ausgiebige Vorstellungs- und Begrüßungsrunde starten, in der deutlich wurde, dass das Permakulturprinzip Vielfalt, auch auf die Teilnehmer zutreffend war. Und so war von Anfang an neben dem großen Interesse gegenüber Joachim, seinem PK- Wissen und seinen Erfahrungen, auch ein großes Interesse der Teilnehmer unter- und aneinander festzustellen, so dass den Kurs insgesamt eine große Lebendigkeit ausmachte. Den Abend erfüllte ein Kennenlernen des Ortes und  seiner Geschichte, des Gartens und seiner Anlagen auf einem Rundgang, sowie eine abschließende schöne Runde am großen Feuer mit vielen Geschichten und neugierigen Gesichtern. Vor dem Zubettgehen gab es dann noch eine Indianergeschichte am Feuer, deren Funken, Rauch und Flammen um einen Jungen  kreisten, der mit seinen indianischen Wurzeln und dem Reifen der Wassermelonen in Berührung kommt.

Der Samstag begann mit Frühstück und einer ausführlichen theoretischen Permakultur-fundierung im Seminarraum, die Joachim nicht nur mit zahlreichen praktischen Erfahrungen aus seiner langjährigen Gärtnerdasein anreicherte, sondern die auch durch viele Fragen der Teilnehmer geprüft, konfrontiert und erweitert wurde. Joachim stellte uns zu Beginn die zentralen Prinzipien der Permakultur vor, sozusagen die „Pfeiler“ des grundsätzlichen Umdenkens, das die Permakultur von herkömmlicher Pflanzung und Kultivierung der Natur unterscheidet. Er lehrte diese Prinzipien in eigenem Wortlaut und Verständnis, wobei er auch die „Gründungsväter“ Mollison und Holmgren, sowie andere Autoren zu Worte kommen ließ. Es wurde deutlich, dass jeder dieser Autoren Permakultur „für sich entdeckt hat“, sowie  jeder Mensch -  auch wir als Teilnehmer – Permakultur in seinen natürlichen, persönlichen und sozialen Bedingungen individualisiert und immer neu entdecken darf und soll, damit sie  überhaupt Geltung hat. Des weiteren beinhaltete die theoretischen Erklärung das Konzept der „Zonierung“, wobei die zu kultivierende Landschaft in dem Menschen nähere und stärker kultivierte (genutzte) und entfernte, „wildere“ Bereiche eingeteilt wird, wobei auch der Stand bestimmter Bäume und Sträucher beschrieben wurde. Im Zuge dessen war der Obstschnitt ein weiteres Thema des Kurses, wobei uns auch hier die langjährige Erfahrung Joachims zugute kam und in vielen praktischen Fragen der Kursteilnehmer - „wann, wie, wo, was und wie viel bei welcher Sorte“ - herausgefordert wurde.

Vor dem Mittagessen war das Bedürfnis dieses Wissen dann auch in die Praxis umzusetzen spürbar. So bildeten wir mehrere Gruppen und  machten uns ausgerüstet mit Rebscheren und kleineren Sägen an mehrere Bäume des Lindenhofes. Dabei kam es dem Kurs sehr entgegen, dass unter den Teilnehmern drei Baumpfleger und Obstbaumschnittkundige waren und das Lernen und Diskutieren um den besten Schnitt so einerseits entspannt andererseits sicher intensiviert wurde. Auch in der Mittagspause wurden die drei auf eigene Bereitschaft hin, weiter in den Plantagen nach ihren Erfahrungswerten und Einschätzungen „gelöchert“.

Nach der Mittagspause fand sich der Kurs bei den vorbereiten Plätzen ein, um nach den Erläuterungen und Empfehlungen Joachims Obstbaumlebensgemeinschaften (kurz OLGs) anzulegen. Die großräumig um die Apfelbäume entfernte Grassode wurde mit einer Vielzahl unterschiedlicher und von Joachim beschriebener Gehölze bepflanzt. Je nach Größe, Sonnenbedürfnis und anderer Charakteristika wurde der Standort gewählt, geschaufelt und eingepflanzt, ganz dem permakulturellen „Umsetzungshunger“ der Teilnehmer entsprechend.

So wurden mehrere Sorten Heidelbeeren, Süßkirsche, Aroniabeere, Felsenbirne und weiteres passend zueinander und der Lage zum Obstbaum gepflanzt. Zum Abschluss des Pflanzens stellte uns Joachim noch eine genügsame und sehr früh auszusäende Pionierpflanze vor, die dicke Bohne. Die zuvor gewässerten Keime wurden an die OLG angrenzend in die umgegrabene Grassode gesetzt. Der Rest der Bohnen wurde großzügig an die Teilnehmer verteilt, damit diese sie in ihren Garten ausprobieren konnten. Danach traf sich der Kurs zum Abendessen im Speisesaal.

Nach dem Abendessen freuten wir uns auf ein einladendes Abendprogramm, wobei natürlich jeder frei war zu tun und zu lassen, was er/sie wollte. Doch der Gruppenzusammenhalt und die Sympathien waren bereits so groß, dass der Abend in Gesprächen, ausführlichen „Werwolf“- Runden und einer Intuitionserfahrung recht lang und sehr schön wurde.

Der Sonntagmorgen gehörte sowohl in Theorie als auch praktischer Vorführung und Bauanleitung dem „Permapoint“: Ein von Joachim selbst entwickelter hohler Betonpilz zur Pflanzung in Wiesen. Was sich schlicht anhört, überrascht dabei als Mehrzweckeinheit aus Schneckenzaun und mobilem Insektenhotel mit wachstumsförderndem Mikroklima. Nach dem Permapoint führte uns Joachim einmal mehr über das Gelände, um uns die vielfältigen hiesigen Kräuter vorzustellen. Angefangen bei der Kräuterschnecke und weiter über das Gelände waren ein für weniger kundige Ohren vielfältiges Kunterbunt an Namen, Verwandtschaften, Heilwirkungen und vieles mehr zu vernehmen. Von vielen „essbar“, „giftig“, „sehr gesund“, gegen „Borreliose“ etc. verwirrt, blieb kundigeren Teilnehmern bestimmt alles, mir aber zumindest einiges hängen.

„Hängengebliebenes“ wurde dann auch in der Abschlussrunde offenbar; unter vielem anderem vor allem die Freude und Nähe im Kurs, das große Vertrauen, das untereinander entstanden ist und die vielen Geschichten am Rande des Kurses, die aber über den Kurs hinaus in Erinnerung bleiben. Sowie Joachims Geduld auch auf tausendundeine Frage mit ganzer Muse einzugehen und seine enorme Begeisterung für Permakultur und deren Bedeutung und Sinn im eigenen Leben. Mir bleibt ein wirklich gelungener Kurs, Inspirationen für den eigenen Garten und die Erinnerung an für mich im besten Sinne des Wortes - merk-würdige - Begegnungen und Menschen.

 

Peter Bär

 

2013 findet findet dieser Kurs am gleichen Ort wieder statt. Mehr Infos hier.